09.09.2010 23:05 Uhr

11.03.2010 | Aktuelles, Uni Duisburg-Essen

Studie zur Finanzsituation Griechenlands

Griechenlands desaströse Finanzkrise rüttelt auf. Ob es die Hellenen tatsächlich schaffen, ihr Sparziel zu erreichen und in den nächsten Monaten weitere Milliarden Euro vom Kapitalmarkt zu mobilisieren, steht in den Sternen. Seriösen Schätzungen zufolge schuldet der Mittelmeerstaat seinen Gläubigern im In- und Ausland derzeit über 300 Milliarden Dollar. Heinz-Jürgen Axt, renommierter Politikprofessor und Europaforscher der Universität Duisburg-Essen (UDE), hat sich in seiner Studie: „Griechenlands Schuldenkrise – Gefahr für den Euro? Das Dilemma von vertragskonformen und politisch opportunen Lösungen“ mit den Folgen des Desasters beschäftigt.

In seiner 50-seitigen Analyse beleuchtet der Wissenschaftler verschiedene Aspekte, die die prekäre Lage Griechenlands hervorgerufen haben und diskutiert die am meisten gestellten Fragen.

Ausführliche Einblicke in acht Kapiteln

Im ersten der acht Kapitel befasst sich der Autor mit den Manipulationen der Hellenen bei der Übermittlung statistischer Daten an die EU. Die nächsten Kapitel thematisieren den Sanierungsplan und die Reaktionen der Griechen auf das Stabilitätsprogramm. Zudem geht Axt der Frage nach einem möglichen Bankrott des Landes nach. Überdies erläutert er die vertraglichen Verpflichtungen in der Europäischen Währungsunion und beschreibt die Reaktionen der EU.
Abschließend widmet sich der Wissenschaftler dem „Dilemma“ der Euro-Zone. Diese stehe seiner Einschätzung nach mit der Entscheidung, ob sie auf die Einhaltung der Euro-Regeln pochen oder Griechenland finanziellen Beistand leisten soll, vor ihrer „schwersten Krise“: Wenn Staaten jahrelang eine Überschuldung betrieben und darüber hinaus manipulierte Daten lieferten, „dann versagen offensichtlich die Fundamente, auf denen die Währungsunion ruht“, fasst der Politikprofessor zusammen.

Dominoeffekt

Griechenland ist als Mitglied der Währungsunion an die geltenden Konvergenzkriterien des Maastrichter Vertrages gebunden. Diese Bedingungen muss jeder Staat erfüllen, wenn er der Wirtschafts- und Währungsunion beitreten will. Welche Konsequenzen hat nun der griechische Verstoß auf die Preisstabilität des Euros? Die Haupterkenntnis des Autors: Es könne zwar „eine Art Dominoeffekt“ – eine Verschuldung anderer Staaten – einsetzen, jedoch sei eine Gefährdung des Euros „allgemein ausgeschlossen“. Lehren aus dem vorliegenden Fall müssten jedoch künftig gezogen werden. Hierbei seien drei Varianten denkbar: Entweder erfolge eine verschärfte Überwachung der Konvergenzkriterien, oder es müsse für den Schuldenabbau das so genannte „Preisstabilitäts-Kriterium“ – die Inflationsrate darf nicht mehr als 1,5 Prozentpunkte über der Rate der drei preisstabilsten Mitgliedsstaaten liegen – aufgeweicht werden. „Damit wird als dritte Option der Ruf nach der ‚Europäischen Wirtschaftsregierung‘ wieder lauter“, zieht Professor Heinz-Jürgen Axt sein Fazit. (Uni Duisburg-Essen)

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